Einschlafprobleme sowie Schlafstörungen und ihre Milderung oder Beseitigung sind in den Medien in jüngerer Zeit zu einem wichtigen Thema mit zahlreichen Ratschlägen geworden. So werden etwa frei verkäufliche Beruhigungs- und Einschlafmittel angeführt wie Baldrian und Melatonin oder es wird die ‚kognitive Verhaltenstherapie‘ (KVT) empfohlen als eine Methode der Psychotherapie zum Verstehen von schlafstörenden Verhaltensweisen. Für den Fall, dass so etwas nicht hilft, werden zur vorübergehenden Anwendung stärkere verschreibungspflichtige Medikamente genannt wie etwa die ‚Z-Substanzen‘ Zoplikon und Zolpidem oder neuerdings auch die ‚Orexin-Antagonisten‘. Unabhängig von der Einnahme pharmazeutischer Mittel werden gelegentlich andere mögliche Methoden angeführt wie der beruhigende Effekt des Schaukelns. Nicht ohne Grund sind als Einschlafhilfe für kleine Kinder „Wiegenlieder“ enstanden. Dass dabei vielleicht auch die Verse, die zu solchen Liedern gehören, eine schlaffördernde Wirkung haben können, blieb dagegen eher unbeachtet.
 
Das wiederholte Sprechen von beruhigenden Versen, so zeigen Erfahrungen, die hier herangezogen wurden, kann eine einschlaffördernde Wirkung haben, sofern es sich um eine normale Situation handelt ohne momentan aufgetretene Störungen wie Magenverstimmungen oder auch längerfristige krankheitsbedingte Beeinträchtigungen. Es kann dabei vor allem darum gehen, Gedanken aufzuhalten, die uns im Bett noch stark beschäftigen mögen. Als berühmtes Beispiel für derartige Erfahrungen sei hier der Beginn des Gedichtes „Nachtgedanken“ von Heinrich Heine zitiert: „Denk ich an Deutschland in der Nacht / Dann bin ich um den Schlaf gebracht / Ich kann nicht mehr die Augen schließen / Und meine heißen Tränen fließen.“ In diesem Falle ging es um eine den Dichter stark erregende politische Entwicklung und eine düstere Zukunftsvision. Es kann jedoch auch schlafverhindernde ‚Nachtgedanken‘ mit einem weitaus weniger dramatischen Hintergrund geben, die sich vielleicht einfach auf den zurückliegenden Tag beziehen, auf Begegnungen, die wir hatten und die eventuell ärgerlich waren oder vielleicht auch besonders spannend und erfreulich.
 
Wenn das stille Hersagen von Versen uns davon abenken soll, dann mag der Inhalt der Gedichte, aus denen sie herangezogen werden, nicht ohne Bedeutung sein. Solche, die eine abendliche Stimmung zum Ausdruck bringen, mögen vorrangig in Frage kommen wie etwa „Meeresstrand“ von Theodor Storm. „Dämmrung bricht herein“ heißt es darin im Anfangsteil und „Wie Träume liegen die Inseln / Im Nebel auf dem Meer.“ Das vierstrophige Gedicht mit jeweils vier Versszeilen mag gerade noch die richtige Länge haben, um auswendig gelernt und mehrfach hergesagt zu werden, bis allmählich die Müdigkeit Oberhand gewinnt. Ein ebenfalls zu empfehlendes Gedicht von Goethe mit dem Titel „Ein Gleiches“ ist wesentlich kürzer und soll hier vollständig zitiert werden. Es vermittelt eine Atmosphäre, in der sich die gesamte Natur um uns herum in den Nachtschlaf begibt. Auch einer eventuell noch grübelnden Person wird die Gewissheit vermittelt, in diesen Vorgang bald einbezogen zu werden:  „Über allen Gipfeln / Ist Ruh, / In allen Wipfeln spürest du / Kaum einen Hauch; / Die Vögelein schweigen im Walde. / Warte nur, balde / Ruhest du auch.“
 
Der Reim, die zu erwartende Wiederkehr des gleichen Klanges in der nächsten oder übernächsten Verszeile, mag als ein quasi Einlullen die Wirkung noch befördern, während die Lyrik der reimlosen Moderne tendenziell eher eine des individuellen Nachdenkens ist. In zahlreichen der Gedichte, die den Schlaf thematisieren, kommt neben der bloßen Klangwiederholung des Reimes die der mehrfachen Setzung gleicher Wörter hinzu. „Schlaf Kindchen, schlaf“ heißt es in dem berühmten Einschlafgedicht für kleine Kinder, und nachdem in den dann folgenden Verszeilen der Vater und die Mutter mit ihren Tätigkeiten einbezogen werden, heißt es zum Abschlus noch ein zweites Mal „Schlaf Kindchen Schlaf“. In dem „Wiegenlied“ betitelten Gedicht von Clemens Brentano wird in der Anfangszeile sogar dreimal das gleiche Wort angeführt: „Singet leise, leise, leise, / Singt ein flüsternd Wiegenlied / Von dem Monde lernt die Weise, / Der so still am Himmel zieht.“ Auch in anderen Sprachen finden sich in schlafbezogenen Gedichten solche Wortwiederholungen. Der „Cradle Song“ des englischen Dichters William Blake (1757 – 1827) beginnt etwa: „Sleep, sleep, beauty bright,  / Dreaming in the joys of night! / Sleep, sleep; in thy sleep / Little sorrows sit and weep.“
 
Alle der hier beispielhaft zitierten Verse, denen zahlreiche weitere dieser Art hinzugefügt werden könnten, sind in vergangenen Jahrhunderten entstanden. In zeitgenössischer Lyrik scheint dergleichen schwerer zu finden zu sein, daher folgt hier als Vorschlag ein Schlafgedicht, das der Verfasser des vorliegenden Artikels zusammengereimt hat. In der ersten der drei jeweils vierzeiligen Strophen geht es um das beunruhigende Nachklingen des zurückliegenden Tages, in der zweiten richten sich die Gedanken sorgenvoll auf mögliche Probleme am nächsten Tag trotz augenblicklicher freudiger Stimmung während in der dritten voller Optimismus das baldige Eintreten des Schlafes mit seinen Träumen erwartet wird: „1. Der Tag will wieder mal nicht enden / verfolgt mich weiter in der Nacht. / Ich möchte mich zum Schlaf hin wenden, / hab‘ über Vieles nachgedacht.  2. Bin fröhlich, doch dann kriechen Sorgen / spät nachts zu mir ins Bett hinein: / Ich frag mich: Wie geht’s weiter morgen ? / Wird’s heiter oder stressig sein?  3. Doch jetzt soll diese Unruhe enden. / Ich wünsch‘ mir zarte Melodien, / die all das Grübeln von mir wenden / und mich in Träume hinein ziehn.“
 
Es hat verschiedene Varianten des Gedichts mit Veränderungen hier und da gegeben, und das vor allem deshalb, weil solch ein Einschlafgedicht Gefahr läuft, zur Routine zu werden, nachdem es sich in unserem Gedächtnis festgesetzt hat. Es wird dann möglicherweise geradezu automatisch hergesagt, während die Gedanken sich trotzdem wieder melden. Daher hier die Schlussaufforderung an Interessierte, eventuell ebenfalls solche Veränderungen durchzuführen sofern sie geboten erscheinen, , es gibt hier keinen Urheberanspruch, und die eigenen Bemühungen sowie die Erwartung, dass sie zu  etwas führen, mögen dem Einschlafen dienlich sein.